Ostfrieslandtour 2007
Die Tage vor Pfingsten, von Donnerstag bis Samstag, habe ich mir eine kleine Motorradtour an die Nordsee gegönnt. Am Donnerstag fuhr ich nachmittags auf der A27 bis zum Bremer Kreuz, dann weiter auf der A1. Es war schon recht viel los auf der „Bahn". Nach ca. 20 km auf der A1, ab in Richtung Oldenburg auf die A28, dann weiter auf der Bundesstraße nach Papenburg. In einem Vorort von Oldenburg hielt ich an einem Imbissstand, um noch als Stärkung eine Bratwurst und Cola zu verzehren. Nun war ich gerüstet für die nächsten Kilometer zu meinem heutigen Ziel. Vor Papenburg, entlang an den alten Fehnkanälen, fuhr ich an schön gepflegten Häusern und Gärten vorbei. Was sind eigentlich diese Fehnkanäle? Was verbirgt sich hinter dem Wort Fehn? Die Feen aus dem Märchenreich haben damit nichts zu tun. Das Wort Fehn ist eine Anleihe aus dem Niederländischen - Veen bedeutet Moor. Die Fehnkultur stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und hatte zwei Ziele. Erstens die Gewinnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen auf Moorböden und zweitens, direkt damit verbunden, die Gewinnung von Torf als Brennmaterial.
Durch diese Urbarmachung, der im südlichen Ostfriesland weitverbreiteten Hochmoore, entstanden die Fehnsiedlungen. Für den Abtransport des Torfes und zur Entwässerung wurden eigens schiffbare Kanäle angelegt, an denen sich die Häuser wie eine Perlenkette aneinander reihen. Der Torfabbau ist in der Zwischenzeit fast zum Erliegen gekommen, aber geblieben sind die typischen Fehnsiedlungen, entlang der Kanäle. Scheinbar in endloser Länge liegt Haus an Haus, beiderseits der Kanäle. Malerische Klappbrücken schlagen die Verbindung zwischen den beiden Ufern. Die Kanäle werden nur noch selten für die Schifffahrt genutzt. Sie dienen jetzt mehr als Eldorado für Wasserwanderer und Ausflugsschiffe.
So, bevor ich mir hier in der Nähe einen Campingplatz suche, werde ich mir noch etwas zum Abendbrot bei Real einkaufen. Nach dem Bepacken der Varadero, will ich so langsam aus der Stadt tuckern, da sehe ich ein Hinweisschild „Campingplatz". Also, links einbiegen und nach etwa 150 m war ich schon angekommen. Mit 10 € war ich dabei, inklusive Duschen, die super waren. Auf dem Zeltplatz war ich alleine, drum herum waren einige Durchreisende platziert. Da ich heute noch Frühschicht gehabt hatte, gingen bei mir auch bald meine „Lichter" aus.
Ich habe super geschlafen! Wach wurde ich erst von Regentropfen, die auf mein Zelt prasselten. Ein Blick nach draußen sagte mir, der Tag kann noch was werden. Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen zusammen und lud sie wieder um auf die Varadero. Bezahlt hatte ich schon am Vortag. So ging es wieder auf die „Piste" zum kleineren Ort Westrauderfehn. Anschließend fuhr ich weiter nach Leer, um mir die Altstadt anzuschauen. Es ging langsam dem Mittag entgegen, der Hunger schlich sich ein. Die Überlegung war, in Emden oder in Greedsiel etwas zu essen. Ich entschloss mich für die zweite Variante. Also ging es weiter in Richtung Emden, dann durch die Stadt und weiter an der Ems entlang. Danach bog ich wieder ins Landesinnere, um nach Greedsiel zu gelangen. Die Varadero stellte ich auf dem, vor dem Ort angelegten Parkplatz, ab und schlenderte in das kleine, gemütliche Fischerdorf. Am Hafen sammelten sich viele Touristen an der Mole oder in den Restaurants. Kurz einige Bilder „schießen" und dann am Dorfrand ein Lokal aufsuchen und mir etwas Mittagessen gönnen, war mein Ziel. So, der Hunger ist gestillt, der Durst gelöscht, dann kann es ja wieder weiter gehen. An der mit Deichen abgegrenzten Nordsee entlang nach Bensersiel und dann nach Neuharlingersiel, der Touristenort schlecht hin. Sicher, der Ort hat eine schöne Hafenanlage, aber von der Bausubstanz und Gegend hat mir Greedsiel besser gefallen.
In Bensersiel gönnte ich mir noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, der aber nicht besonders gut schmeckte. Wieder frisch gestärkt suchte ich mir langsam ein Nachtlager. Ich beschloss nach Schillig ins „Wangerland" zu fahren. Dort hatte ich schon öfters mit dem Wohnmobil gestanden. Als ich dort ankam war eine riesige Schlange Wohnwagen und Wohnmobile, die noch einchecken wollten. Erst jetzt wurde mir klar, dass ja das Pfingstwochenende vor der Tür stand. Aber ich wollte auch keinen anderen Campingplatz mehr suchen. Diese Entscheidung sollte ich noch bereuen. Also, ab Richtung Rezeption. Alles voll. Es dauerte ca. eine ¾ Std., bis ich an die Reihe kam. Ich sagte: „Ein Zelt, ein Mann, ein Motorrad, eine Nacht und erhielt die Antwort: „ Das macht 23 €". Ich flog fast aus allen Wolken. Meine spontane Antwort war: „Für die letzte Übernachtung habe ich 10 € bezahlt". „Dafür bekommen sie hier auch ein ruhiges Plätzchen auf dem Zeltplatz", antwortete mir der Mann an der Rezeption. Also fuhr ich auf den riesigen Zeltplatz, nistete ich mich zwischen zwei Campern ein, aber vorsorglich mit einem großen Abstand. Ich baute mein Zelt auf, richtete mich für die Nacht ein, da fingen die Nachbarn an, Jugendliche so um die 20 Jahre, laut ihre Musik zu spielen. Das ging so fast die ganze Nacht und an Schlaf war nicht zu denken. Schöner ruhiger Platz!
Gegen Morgen fing es an zu regnen, aber mein Zelt hielt dicht. Nach dem Frühstück packte ich meine Sachen zusammen, um nach Hause zu fahren. Der Himmel war grau und der Regen wurde immer heftiger. „Egal, da musst du durch", sagte ich zu mir selber und zog die Regenkombi an und fuhr los. Auf der Autobahn konnte ich nicht schneller als 80-90 km/h fahren, sonst wäre die Gefahr, wegen Aquaplaning, zu groß. Als ich dann langsam auf die A27 Bremen, Richtung Walsrode kam, da wurde der Regen etwas weniger. Ich war nass bis auf die Haut, schaffte noch die 40 km bis nach Hause und dann aber gleich ab unter die warme Dusche.

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