Tschechientour 2007
12.05.07 (450 km)

Eigentlich wollte ich diese Tour mit dem Motorrad machen, da aber Heike kurzfristig Urlaub für diese Woche bekam, werden wir mit unserem Campingbus nach Tschechien fahren. Der heutige Vormittag war ausgefüllt mit einpacken aller notwendigen Dinge und einräumen ins Fahrzeug, sodass wir um 15:00 Uhr, wenn Heike von der Arbeit kommt, los fahren können. Unsere heutige Abreise rückte näher. So ging auf die A7 bis Hannover und dann weiter auf der A2 bis Leipzig. Es war, für einen Samstag, relativ wenig Verkehr, so kamen wir gut voran. Um ca. 20:00 Uhr erreichten wir Pirna. Dort nahmen wir uns einen Campingplatz im Vorort Colpitz, für 17 € die Nacht. Auf diesem Platz bin ich im letzten Jahr, als ich aus Polen kam, schon einmal gewesen. Dieses Camp ist nicht nur für die Durchreise nach Osteuropa zu empfehlen, sondern auch für einen längeren Aufenthalt.
Der Campingplatz in Colpitz bei Pirna
13.05.07(50 km)
Nach einer ruhigen Nacht, mit einigen Regenschauern, begann der Morgen vielversprechend mit Sonne. Das müsste ein schöner Tag werden! Heute wollen wir uns die Umgebung anschauen. Als erstes einmal, nach dem Frühstück, bezahlen unsere Gebühren und dann ab nach Pirna, die Altstadt besichtigen. Nach der Wende hat sich hier viel getan, dank Soli. Die Rundgänge sollten vom Marktplatz ausgehen, wo das, Ende des 14. Jh. gegründete, Rathaus steht. Nach der Besichtigung von Pirna fuhren wir weiter nach Königstein, um die Festung zu besichtigen. Dort mussten wir auf dem uns zugewiesenen Parkplatz fahren. Sogleich stürmte ein Einweiser zu uns und meinte, unser Fahrzeug wäre zu lang! Nur 5,50 m lang und noch so viele Plätze frei, trotzdem weißt er uns ab. Als Ausweichplatz sollten wir in den Ort Königsstein fahren und dann ca. 4 km zu Fuß wieder hoch laufen.
Der hat wohl einen an der Waffel, dachte ich nur!
Diesen Ort werden wir im Leben nie wieder besuchen. Also, weiter zu der Bastei ins Elbsandsteingebirge, das ca.15 km entfernt liegt. Dort, auf dem Parkplatz, kam wieder ein Ordner, aber einer der ganz anderen Art, denn er erklärte uns mit freundlichen Worten, dass wir hier für 2,50 € parken und dann mit dem Pendelbus, der alle 15 Min. fährt, in Richtung Bastei, für 3,00 €, fahren könnten. Oder, wir könnten mit dem Camper bis zur Bastei fahren. Dort ist ein gebührenpflichtiger Parkplatz, der aber nur 100 Fahrzeuge aufnehmen kann. Das waren doch vernünftige Auskünfte! Wir wählten die erste Variante und die war auch die richtige. Also bestiegen wir den Bus und nach ca. 4km erreichten wir den Buswendeplatz an der Bastei. Bei diesem Superwetter war die Aussicht auf das Elbtal einfach Klasse.
Die Sächsische Schweiz, mit ihrem Elbsandsteingebirge, das sich bis hinein in die Tschechische Republik zieht, ist wohl die schönste deutsche Canonlandschaft. Teile davon wurden 1990 zum Nationalpark erklärt. Durch die zerklüftete, wildromantische Landschaft windet sich die Elbe von Südosten nach Nordwesten.
Nach dem Besuch der Bastei hatten wir nur noch 10 km bis Pirna zu fahren, daher entschlossen wir uns, noch einmal zum Camp zu fahren, obwohl wir bereits morgens aus- gecheckt hatten.
Morgen geht es auf nach Tschechien!
Das Elbsandsteingebirge mit der Bastei
14.05.07(250 km)

In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber als wir aufstanden, schien auch diesmal wieder die Sonne. Also, alles fertig machen, Frischwasser tanken, Toilette leeren, wer weiß was heute noch passiert. Von Pirna bis zur Tschechischen Grenze sind es ca. 40 km. Es war nichts los an der Grenze, keine Lkws. Oder dürfen sie an diesem Übergang nicht einreisen? Na ja, es ging zügig voran! Ein Tipp von mir! Kauft auf alle Fälle eine Vignette für ca.7 € für die Autobahn und Schnellstraßen, für den Zeitraum, in dem ihr das Land besucht. Es ist manchmal unvermeidlich, eine Autobahn oder eine Schnellstraße zu benutzen. Und wenn sie Euch dann erwischen, zahlt Ihr ca.100 € Strafe.
Unser erstes Ziel ist der Ort Decin. Dort haben wir unten an der Elbe geparkt, um dann ein bisschen die Geschäfte anzuschauen und uns mit Geld einzudecken. Der Geldautomat befindet sich auf dem Marktplatz. Anschließend fuhren wir auf der 253 nach Üsti und dann entlang der Leba (Elbe) nach Terezin (Theresienstadt). Dort wurde im 2. Weltkrieg ein jüdisches Ghetto errichtet. Im Zentrum von Terezin ist ein Museum. Der Eintritt kostet 6 € und man erhält einen Lageplan, auf dem alles beschrieben ist, was besichtigt werden kann.
Unseren Campingbus parkte ich eine Straße weiter und besuchte dann das Museum. Zuerst begriff ich gar nicht, wo nun das Außenlager sein sollte. Ich sah eigentlich nur einen Ort mit parallel verlaufenden Straßenzügen und um diesen herum einen Burggraben. Da schoss es mir wie ein Blitz durch meinen Kopf, denn ich bemerkte, ich stehe mitten im Lager. Die Nazis hatten die ganze Stadt als Ghetto umfunktioniert. Sie war als Sammel- und Durchgangslager ausgebaut, mit Krematorium und jüdischem Friedhof.
Anschließend sollte es nach Melnik gehen. Da die Ausschilderung in der Tschechischen Republik unzureichend ist, mussten wir, anstatt auf der Landstraße, ein Teilstück der Autobahn fahren. Und nun komme ich wieder auf die Vignette zurück, die wir jetzt benötigten. Nach einigen Hindernissen mit der Wegbeschreibung, fanden wir am Abend doch noch den Ort Melnik. Was kann man sich anschauen? Den Marktplatz mit dem alten Rathaus und das Schloss. So, es wird Zeit, ein Nachtlager zu suchen. 30 km nördlich von Melnik, im Ort Barkov, gleich an der Autobahn, soll ein Campingplatz sein. Dort angekommen sehen wir, dass er aber nicht in Betrieb ist. Was machen wir nun? Am besten, wir stellen uns für eine Nacht auf einen großen Parkplatz am Ortsrand. Ich habe auch keine Lust mehr weiterzufahren, denn es zieht ein Gewitter auf. Na dann, gute Nacht
Der Ort Decin an der Elbe
15.05.07 (240 km)

Und richtig, um Mitternacht kam das Gewitter, mit sehr viel Regen und Wind, genau auf uns zu. Es blitzte und donnerte ca. eine Stunde lang und dabei war an schlafen nicht zu denken. Am nächsten Morgen war alles vorbei! Es war alles wieder trocken, aber auch kühler geworden. Um 10:30 Uhr ging es wieder auf die Piste. Wir fuhren nach Turnov und besichtigten den schönen Marktplatz, das Rathaus und die Kirche. Auf dem Weg zu unserem Campingbus sahen wir, in einer Nebenstraße, ein Vietnamesisches Restaurant. Dort konnten wir für 3 € super essen.
Dann ging es weiter in das 50 km entfernte Hradec Kralove, mit der denkmalgeschützten Altstadt (siehe Bilder). Unser letztes Ziel am heutigen Tag ist der kleine Ort Vrchlabi (Hohenelbe), in dem die Holzlaubenhäuser am Markt das Ortsbild prägen. Für den bevorstehenden Abend suchen wir uns ein Campingplatz auf, 4 km südlich des Ortes. Dort sind wir die Einzigen auf dem 10 € teuren Platz. Die Sanitäranlagen entsprechen nicht dem deutschen Standart, aber das macht uns nicht so viel aus, Hauptsache, wir haben eine ruhige Nacht.
Der Marktplatz von Hradec Kralove
16.05.07 (190 km)
Der Boden des Platzes ist, nach dem nächtlichen Niederschlag, ziemlich aufgeweicht. Ich hoffe nur, dass ich gut vom Platz komme. Aber erstmal testete ich die Duschen und die Sanitäranlagen, die nicht so einladend aussahen. Als ich die Duschräume betreten wollte und die Tür öffnete, kam mir plötzlich ein Vogel entgegen geflogen. Na danke, mal schauen wie es weiter geht. Beim Aufdrehen des Heißwasserhahnes am Waschbecken kam braunes Wasser heraus. Also, Zähneputzen mit kaltem Wasser. Kommen wir zu den Duschkabinen! Keine Vorhänge vor den Kabinen, brauche ich auch nicht, bin ja alleine im Raum. Die Dusche funktionierte einwandfrei, hier kein braunes Wasser und schön warm. Nachdem ich das alles Heike berichtete, war auch für sie der Weg frei zum Duschen.
Um 10:30 Uhr fuhren wir vom Platz in den 20 km entfernten Ort Spindlerüv Mlyn (Spindlermühle). Dieses ist ein populärer Wintersportort. Sportliches Vergnügen bieten im Winter die Pisten und Loipen, im Sommer die Wanderwege. Wir wollten von hier aus zu der Elbquelle wandern, aber nach der Touristikinformation hätte man zuerst mit der Sesselbahn fahren und dann noch ca. 8 km laufen müssen. Nein danke, darauf kann ich verzichten! Als Ausgleich gehen wir in ein Lokal schön essen. Unser nächstes Ziel ist der Ort Liberec. Um dort hinzukommen, fahren wir an der aufgestauten Elbe entlang, die dort noch ein kleines Flüsschen ist. Die Gegend ähnelt die des Harzes. Der Ort Liberec ist gerade nicht so sehenswert, nur das Rathaus, sonst lohnt sich der Besuch nicht. Unser Übernachtungsplatz soll für diese Nacht in Deutschland sein. Also fuhren wir in Richtung Zittau. Um nach Deutschland einreisen zu können, fährt man von Tschechien durch Polen und dann erst nach Deutschland. Man lernt nie aus! Weiter fahren wir auf der B99, an Görlitz vorbei, in den Ort Nieske, wo der von uns ausgesuchte Campingplatz ist.
Die Elbe auf der Tschechischer Seite
17.05.07 (540 km)

Heute ist der Tag der Heimreise. Aber bevor wir diesen Weg einschlagen, besuchen wir noch die Stadt Görlitz. Unser Vorteil war, an einem Feiertag unterwegs zu sein. Der gesamte Berufsverkehr fand nicht statt. Nur einige Reisebusse waren auf dem Parkplatz zu sehen. So hatten wir keinerlei Parkprobleme. Die Altstadt ist wirklich einen Besuch wert. Sie ist ein Freilichtmuseum des 15. bis 19. Jh. Eines der ältesten Baudenkmäler ist der „Dicke Turm". Auch hier lohnt sich der Besuch auf alle Fälle. Anschließend begaben wir uns auf die Autobahn und fuhren Richtung Dresden bis Meißen und weiter an der Elbe entlang, über Torgau nach Magdeburg. Diese Rücktour könnt ihr unter „Rollerreisen" nachlesen. Dort habe ich sie bereits beschrieben, da ich diese Strecke schon zweimal gefahren bin.
Die Altstadt von Görlitz
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